Veloweg Eishalle gesperrt Schild Bushaltestelle Fraktionserklärung

17 Monate gesperrt? Es brauche jetzt eine Lösung, fordern Parlamentarierinnen und Parlamentarier vom Wetziker Stadtrat.

«Velofahrende werden zu oft vergessen»

Wegen 70 Metern Baustelle ist der Veloweg zwischen Eishalle und Hinwil nach über einem Jahr immer noch gesperrt. Nun fielen im Wetziker Parlament deutliche Worte. «Das ist verkehrspolitisches Versagen auf dem Rücken der schwächsten Verkehrsteilnehmenden», kritisierten Grüne sowie SP und AW in einer gemeinsamen Fraktionserklärung.

Auf der Tribüne im Stadthaus sassen am Montagabend wohl überdurchschnittlich viele Velofahrende: die Lernenden der Stadt Wetzikon. Und als Raphael Zarth (Grüne) pointierte Kritik an der FDP und der SVP übte, zeichnete sich in einigen jungen Gesichtern ein Schmunzeln ab.

Veloweg Eishalle gesperrt Velofahrer umfährt Absperrung Foto 1 von 3
Veloweg Eishalle gesperrt Velofahrer umfährt Absperrung Foto 2 von 3
Veloweg Eishalle gesperrt Velofahrer umfährt Absperrung Foto 3 von 3

Die Fotos sind nicht gestellt. Ein Velolenker benutzt die Busspur, um die 70-Meter-Baustelle zu umfahren.

Worum geht es? Seit Anfang Juli sollte der Veloweg wieder offen sein. Aber Fernwärme Wetzikon blockiert 70 Meter bei der Eishalle. Wegen dieser Mini-Baustelle soll der Veloweg für einen zweiten Winter gesperrt bleiben, bis März 2026. Das sind 17 Monate statt der geplanten 8 Monate.

Grüne, SP und AW forderten im Parlament:

1. Eine temporäre Überbrückungslösung auf den gesperrten 70 Metern bei der Eishalle.

2. Falls dies aus nachvollziehbaren Gründen wirklich nicht möglich sein sollte: Eine sichere, lokale Umfahrung der 70-Meter-Baustelle bei der Eishalle.

3. Falls baulich nicht sofort möglich: täglicher, zuverlässiger Winterdienst auf der Alternativroute.

4. Aktive, transparente Kommunikation des Stadtrats – mit klaren Zuständigkeiten und verbindlichen Terminen.

Es gab bereits Stürze

Für Grüne, SP und AW ist klar: «Der Veloweg bei der Eishalle ist nicht einfach eine Baustelle. Er ist ein Sinnbild für den Stellenwert des Veloverkehrs in Wetzikon.» Die offizielle Umleitung ist 6,3 Kilometer lang – statt 1,8 Kilometer auf dem Veloweg. «Viele weichen auf den Feldweg am Wildbach aus», schilderte Raphael Zarth, aber «im Winter ist er vereist. Es kam bereits zu Stürzen. Andere fahren auf der Hauptstrasse – ungeschützt, bedrängt, angehupt von zahlreichen Autofahrenden.»

Es handle sich um keinen Einzelfall, halten die drei Parteien fest. «Velofahrende werden in Wetzikon bei Bauprojekten zu oft vergessen oder als Verkehr zweiter Klasse behandelt.»

«Wir brauchen keine Naturtipps»

Der zweite Teil der Fraktionserklärung ging auf die Stellungnahmen – respektive das Schweigen – von FDP, SVP und Stadtrat ein. Raphael Zarth verwies auf Aussagen von FDP-Präsident Sven Zollinger bei velofreundliches-wetzikon: «Es gebe ja einen Feldweg, auf dem man die Natur geniessen kann. Und Velofahren bei Schnee mache sowieso keinen Spass.»

Die Replik von Zarth: «Velofahrende brauchen von euch keine Naturtipps. Sie brauchen sichere Verkehrswege.» Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn alle Velofahrenden in Wetzikon statt dem Velo das Auto nehmen würden. «Das Resultat?», fragte Zarth. «Richtig: noch mehr Stau. Da würde die FDP wohl laut aufheulen.»

Fernwärme reagiert

Das Engagement der Wetziker Ortsparteien zeigte bereits Wirkung kurz bevor der gesperrte Veloweg am Montag, 10. November, im Parlament zur Sprache kam. Fernwärme Wetzikon teilt velofreundliches-wetzikon mit: «Wir sind daran, mit den beteiligten Ämtern und Unternehmen die Möglichkeiten für eine zwischenzeitliche Öffnung des Radwegs zu diskutieren.»

Das ist ein enormer Fortschritt. Zuerst hatte Fernwärme Wetzikon auf Anfragen nicht einmal reagiert. Dann hiess es, man unternehme nichts, weil Gesuche für eine lokale Umfahrung  aussichtslos wären. Doch jetzt wird man aktiv. Danke Fernwärme Wetzikon 🙏🏽, danke Wetziker Ortsparteien 🙏🏽.

Klar sei allerdings, so Fernwärme, «dass im nächsten Frühling nochmals eine kurzzeitige Sperrung notwendig ist, um die Bauarbeiten zu finalisieren.»

SVP schweigt, Stadtrat ebenfalls

«Und die SVP?», so die nächste Frage. «Schweigt. Kein Wort zu 17 Monaten Verzögerung. Kein Wort zur Sicherheit. Kein Wort zum Winterdienst. Man fragt sich: Endet das verkehrspolitische Interesse dort, wo es nicht nach Benzin riecht? Es scheint so.»


Auch der Stadtrat hat sich bisher nicht zum Veloweg-Ärger in Wetzikon geäussert. Tiefbauvorsteher Heinrich Vettiger hat die Fraktionserklärung verpasst, er kam später zur Parlamentssitzung – aber vielleicht liest er diesen Bericht. Die Kritik der drei Parteien am Stadtrat: «17 Monate. 70 Meter. Keine Lösung. Keine Kommunikation. Kein Plan erkennbar. Wir sind nicht nur enttäuscht. Wir sind – ganz ehrlich – fassungslos.»


Grüne, SP und AW halten in ihrer Fraktionserklärung fest:

  • Wer Effizienz fordert, darf nicht an 70 Metern scheitern.
  • Wer Bürgernähe predigt, darf nicht 17 Monate schweigen.
  • Und wer Wetzikon vom Verkehr entlasten will, darf das Velo nicht als saisonales Hobby missverstehen.

Das Velo sei kein Grill, den man im Herbst in die Garage stelle und im Frühling wieder hervorhole. «Es ist ein Verkehrsmittel.»

1 Kommentar zu ««Velofahrende werden vergessen»»

  1. Vor ein paar Tagen bin ich auf Deine Seite gestoffen und freue mich, dass es da draussen noch jemand gibt, der sich genauso wie ich über die himmelschreiende Ignoranz der Planer dieser Baustelle gegenüber Velofahrern aufregt.
    Von Verzögerungen will ich auch nichts hören, denn das Projekt ist eher übersichtlich und ganz sicher nicht komplex – auch nicht unerwartet. Anderthalb Jahre sind sehr viel und die Intensität der Bauarbeiten ist positiv formuliert «eher gemächlich». Ich behaupte, dass mehr als die Hälfte der Zeit bisher auch gar nicht im Bereich des Radwegs gearbeitet wurde, sondern immer wieder andere Dinge wichtiger waren. Ich schaue mir den Fortschritt jeden Tag auf dem Velo an…
    Noch wütender macht die Beobachtung, dass es auch bei dieser Baustelle anders gehen kann, sofern Autos betroffen sind: Der Durchgang an der Brücke bei Bossikon wurde, wann immer möglich, mit Platten sichergestellt und es wurde sogar provisorisch geteert und dieser Teer wenige Wochen später wieder entfernt, um die Anzahl der Tage mit gesperrter Brücke so klein wie möglich zu halten. Auch für weniger als 10 Parkplätze in der Nähe der KEZO wurde mit provisorischem Belag ein beträchtlicher Aufwand getrieben, dass diese nur wenige Tage nicht benutzbar waren. Schade, dass sowas nicht für Velofahrer möglich ist, aber die Verantwortlichen wissen vermutlich nicht einmal, wie man Velo fährt.

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