Henry (Heinrich) Vettiger, Stadtrat, Wetzikon, Tiefbauvorstand, E-Bike

Tiefbauvorstand Henry Vettiger kam mit dem Velo zum Interview. Er ist in Wetzikon und den Oberländer Hügeln oft mit dem E-Bike unterwegs.

So bringt Stadtrat Vettiger Wetzikon aufs Velo

Wetzikon schnitt beim Prix Velo mit der Note 3,7 ab. Wie reagiert die Politik darauf? Tiefbauvorsteher Henry Vettiger (SVP) erklärt im Gespräch, wo der Stadt die Hände gebunden sind, wie das neue «Gelbe Band» schnell für mehr Velo-Sicherheit sorgen soll und warum er für 2029 mit einer besseren Note rechnet.

Wetzikon hat sich zum allerersten Mal am Prix Velo beteiligt. Was hat die Stadt dazu bewogen, mitmachen?
Stadtrat Henry Vettiger: Wir hatten 2025 die Mobilitätsstrategie verabschiedet, waren aber noch am Ausarbeiten des Gesamtverkehrskonzepts GVK. Bevor wir nun mit der Umsetzung des GVK anfangen, das ja behördenverbindlich ist, wollte ich gerne wissen, wo wir stehen. Ausgelöst wurde die Teilnahme einerseits durch die Anfrage von Pro Velo, die den Prix Velo organisiert, andererseits hast Du mit deiner Webseite aktiv nachgefragt. Da entschied ich: Wir setzen jetzt den Pflock und schauen, wo wir stehen.

Der Prix Velo

Der «Prix Velo» ist eine Auszeichnung von Pro Velo Schweiz für velofreundliche Leistungen. In einer nationalen Online-Umfrage bewerten Velofahrende die Velofreundlichkeit ihrer Stadt respektive Gemeinde und Pro Velo erstellt eine Rangliste. Die Umfrage wird seit 2004 alle vier Jahre durchgeführt. Wetzikon hat sich nun zum ersten Mal beteiligt und eine ungenügende Note erhalten.

Ein mutiger Entscheid. Wetzikon hätte bei der Bewertung durch die Velofahrenden sehr schlecht abschneiden können. Aber am Ende gab es die Gesamtnote 3,7. Entspricht das Resultat in etwa Deinen Erwartungen?

Der schweizerische Durchschnitt liegt bei 3,9 und der Klassenbeste Burgdorf hat eine 4,4. Wir sind im unteren Drittel, gerade so an der Grenze zum mittleren. Das ist die Ausgangsbasis, auf der wir jetzt aufbauen. Das Resultat erstaunt mich, ich habe ein schlechteres erwartet: wegen unserer Veloinfrastruktur und Gegebenheiten, die wir nicht ändern können, wie den Strassenbreiten. Und wir haben ja sehr viele Fahrzeuge.

Wetzikon will mit dem GVK den Anteil des Veloverkehrs erhöhen. Dafür ist es wichtig, dass sich die Leute auf dem Velo sicher fühlen. Aber ausgerechnet bei der Sicherheit schneidet Wetzikon mit 3,3 am schlechtesten ab. Siehst Du Möglichkeiten seitens der Stadt, das zu verbessern?

Bei den räumlichen Gegebenheiten können wir nicht allzu viel machen. Eines der Elemente, mit denen wir jetzt die Sicherheit erhöhen wollen, ist das Gelbe Band. Diese Alternativrouten für Velofahrende sollen Leute ansprechen, denen die Sicherheit wichtig ist. Im Gelben Band sehen wir dafür das grösste Potenzial. Zugleich sind wir darauf angewiesen, dass die Velofahrer selbst vorsichtig unterwegs sind, beispielsweise an Kreuzungen.<

Gibt es schon Vorstellungen, wann man die ersten Strecken des Gelben Bandes in Betrieb nehmen kann?

Wir haben das GVK gerade erst verabschiedet. In einem ersten Schritt machen wir uns nun Gedanken zur Signalisationdes Gelben Bandes. Wie schildern wir das Ganze aus, gibt es eventuell eine Kennzeichnung auf den Wegen selber? So dass es für Velofahrende und natürlich auch für die Fussgängerinnen und Fussgänger klar erkennbar ist. Danach werden wir an jenen Orten, wo es möglich ist, so schnell wie möglich mit der Umsetzung beginnen. Auf ein konkretes Datum will ich mich nicht festlegen, aber ich bin ja bekannt dafür, dass wir relativ schnell umsetzen.

Zur Person: Henry Vettiger, der erfahrene Allrounder

Heinrich «Henry» Vettiger (SVP, Jahrgang 1953) ist der Routinier im Wetziker Stadtrat: Seit 2014 gehört er ununterbrochen der Stadtregierung an und ist nach den Erneuerungswahlen im April 2026 das dienstälteste Mitglied der Exekutive.


Dass er die städtischen Geschäfte aus dem Effeff kennt, verdankt Vettiger auch seiner Vielseitigkeit. Anfangs leitete er zwei Jahre das Ressort Tiefbau + Energie. Anschliessend lenkte er fast zwei Amtsperioden lang als Finanzvorstand die Geschicke der städtischen Kassen. Und 2022 übernahm der diplomierte Ingenieur ETH erneut die Führung des heutigen Ressorts Tiefbau, Umwelt + Energie.


In seiner aktuellen Funktion als Tiefbauvorsteher zeichnet er politisch hauptverantwortlich für die Wetziker Strasseninfrastruktur und das Velonetz – und steht damit auch beim Abschneiden der Stadt beim Prix Velo im Fokus. In Wetzikon und Umgebung ist Henry Vettiger mit seinem E-Bike unterwegs.

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Stadtrat Henry Vettiger. Foto: zvg

Schlechte Noten gab es in der Prix-Velo-Umfrage für gefährliche Orte und Kreuzungen. Wo siehst du in Wetzikon die grössten Probleme?

Das grösste Problem ist eine Strasse, die nicht der Gemeinde gehört: die Bahnhofstrasse. Und Unterwetzikon, wenn man Richtung Bahnhof fährt, sowie der Ochsenkreisel. Hier haben wir limitierten Einfluss. Wir können natürlich mit dem Kanton sprechen, aber diese Strassen liegen in der Hoheit des Kantons.

Bei uns nehmen wir Verbesserungen vor allem im Rahmen von Strassensanierungen vor. Das Paradebeispiel ist die Bachtelstrasse, die dieses Jahr fertig wird. Was wir hier umsetzen, soll auch die Sicherheit für die Velofahrenden erhöhen.

Wie intensiv ist der Austausch mit dem Kanton?

Es findet jährlich ein Meeting statt. Zudem stehe ich sicher ein-, zweimal im Jahr mit dem Amtschef des Kantons in Kontakt und unsere Verwaltungen pflegen einen guten Austausch.

Die Kategorie «Stellenwert des Velos» erhielt nur die Note 3,4. Viele Befragte haben also nicht den Eindruck, dass Velofahren in Wetzikon eine hohe Priorität geniesst. Was entgegnest Du dieser Kritik?

Bisher hatten wir Initiativen und ein Postulat. Doch jetzt haben wir ein behördenverbindliches Instrument, das GVK. Dort hat man klar definiert, dass das Velo eine grössere Bedeutung bekommen soll. Mit dem GVK haben wir ein Instrument, um auf den Strassen, auf denen wir zuständig sind, die Voraussetzungen zu schaffen. Aber wir können die Leute nicht zwingen, aufs Velo umzusteigen. Das braucht Zeit und einen Wandel im Denken der Leute. Unsere grosse Hoffnung ist, dass wir mit dem Gelben Band einen Schub auslösen können.

Falls sich Wetzikon 2029 erneut am Prix Velo beteiligt: Welche Note erwartest du?

Ja, wir werden wieder mitmachen. Auf eine Note lege ich mich nicht gerne fest. Nehmen wir das Beispiel von Burgdorf: Die Gemeinde beteiligt sich seit 20 Jahren am Prix Velo und hat erst die Note 4,4 erreicht. Das zeigt: Es braucht Zeit, das ist das Entscheidende. Für Wetzikon erwarte ich 2029 eine bessere Note, als wir sie jetzt haben.

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