Baustelle Fernwärme Wetzikon Autos Veloweg Ortsparteien wollen lokale Umfahrung

Unglaublich: Die eigentliche Baustelle auf dem Veloweg ist sehr kurz, den Rest der 70 Meter …

Baustelle Fernwärme Wetzikon Veloweg Materiallager

… benutzt Fernwärme Wetzikon als Materiallager.

«Wir fordern eine kurze, sichere Umfahrung bei der Eishalle»

Eine 70 Meter kurze Baustelle droht den gesamten Veloweg Unterwetzikon-Hinwil auch im kommenden Winter zu blockieren. Nun setzen sich mehrere Wetziker Ortsparteien dafür ein, dass es eine sichere Lösung für Velofahrende gibt.

Velofreundliches-Wetzikon fragte die zehn Ortsparteien, ob und wie sie den Velofahrenden helfen wollen. Sechs Parteien haben geantwortet – wobei sich vier für eine bessere Lösung aussprechen: Grüne, SP, AW und GLP. Die EDU verweist auf die Fristen bei einem politischen Vorstoss und die FDP winkt ab.

Grüne: Wenigstens Winterdienst gewährleisten

Die Grünen Wetzikon wollen sich im Parlament dafür einsetzen, dass der Stadtrat rasch Massnahmen ergreift, um die Situation für Velofahrende im Winter zu verbessern. «Konkret fordern wir eine kurze, sichere Umfahrung bei der Eishalle, damit der fast fertiggestellte Veloweg auch während der Bauzeit genutzt werden kann.»


Sollte so eine Umfahrung baulich nicht möglich ist, «muss wenigstens der Winterdienst auf alternativen Routen gewährleistet sein». Eine verlässliche Schneeräumung sei entscheidend, um Stürze und gefährliche Situationen zu vermeiden, betonen die Grünen.

Veloweg Wetzikon Busspur Baustelle Fernwärme Foto aus dem Bus

Freie Fahrt für Autos. Aber nicht für Velos. Weshalb dürfen die Zweiräder nicht für wenige Meter auf die Busspur?

Fernwärme reagiert

Das Engagement der Wetziker Ortsparteien zeigt bereits Wirkung, bevor der gesperrte Veloweg am Montag, 10. November, im Parlament zur Sprache kommt. Fernwärme Wetzikon teilt velofreundliches-wetzikon mit: «Wir sind daran, mit den beteiligten Ämtern und Unternehmen die Möglichkeiten für eine zwischenzeitliche Öffnung des Radwegs zu diskutieren.»

Das ist ein enormer Fortschritt. Zuerst hatte Fernwärme Wetzikon auf Anfragen nicht einmal reagiert. Dann hiess es, man unternehme nichts, weil Gesuche für eine lokale Umfahrung  aussichtslos wären. Doch jetzt wird man aktiv. Danke Fernwärme Wetzikon 🙏🏽, danke Wetziker Ortsparteien 🙏🏽.

Klar sei allerdings, so Fernwärme, «dass im nächsten Frühling nochmals eine kurzzeitige Sperrung notwendig ist, um die Bauarbeiten zu finalisieren.»

SP: Exemplarisch für Wetzikon

Die SP Wetzikon schreibt klipp und klar: «Wir finden die alternativlose Sperrung unverständlich und exemplarisch für die Velounfreundlichkeit in Wetzikon.» Gemeinsam mit der AW und den Grünen werde sich die SP «weiterhin für sichere und durchgängige Velowege einsetzen – soweit das politisch möglich ist».

Aktuell arbeiten die drei Parteien an einer gemeinsamen Fraktionserklärung. Danach werde man, so die SP, das Thema in den sozialen Medien noch einmal aufnehmen, «mit einem Aufruf, das Problem auf bikeable.ch zu melden, damit es sichtbar bleibt.»

Das ist die Ausgangslage

Wegen Bauarbeiten von Fernwärme Wetzikon musste man den Veloweg von der Eishalle bis Hinwil sperren. Geplant war von November 2024 bis Juni 2025. Inzwischen sind die Bauarbeiten praktisch beendet – trotzdem bleibt der Radweg gesperrt. Bis März 2026! Der Grund: Eine 70 Meter kurze Baustelle von Fernwärme Wetzikon bei der Eishalle.

Das bedeutet für die Velofahrenden, dass sie einen zweiten Winter den Veloweg nicht benützen dürfen. Da die offizielle Umleitung viel zu lang ist (6,3 statt 1,8 Kilometer), wählen Ortskundige eine kürzere Variante: den Feldweg auf der anderen Seite des Wildbachs. Allerdings ist das im Winter gefährlich: Es gibt keinen Winterdienst. Bei Schneefall und Eisglätte kommt es zu Stürzen, wie velofreundliches-wetzikon erfahren hat.

Die zweite Alternative: Man pedalt auf dem Veloweg, da ja nur der Deckbelag fehlt. Und bei der Eishalle weicht man kurz auf die Strasse aus. Das ist jedoch illegal und zudem gefährlich, vor allem in Richtung Hinwil.

Bald wird Petition übergeben

SP und Grüne verweisen auf das erste Wetziker Velofest, das sie kürzlich gemeinsam organisiert haben. In diesem Rahmen fand zugleich eine Velodemo statt und man sammelte Unterschriften für eine Petition. Diese verlangt unter anderem Lückenschliessungen im Velonetz, die Beseitigung von Engpässen auf Hauptachsen und einen besseren Winterdienst. Im November will man die Petition dem Stadtrat überreichen.

AW: Rasch etwas unternehmen

Bei den Alternativen Wetzikon hat sich Gemeinderat Robin Schwitter die Situation bei der Eishalle vor Ort angeschaut. Sein Eindruck: «Ich war sehr erstaunt, dass bis heute keine schnelle Umgehungslösung gefunden wurde.» Eine Fraktionssitzung der AW habe noch nicht stattgefunden, «aber sicher ist, dass wir zusammen mit der SP und den Grünen so schnell wie möglich etwas im Parlament unternehmen werden.» Eine Möglichkeit wäre eine dringliche Interpellation.


FDP: Einschränkung ist verkraftbar

Anders beurteilt man die Situation für die Velofahrenden bei der FDP Wetzikon. Es gebe «einen Feldweg, mit welchem der Umweg nicht wesentlich länger ist» und auf dem man «die Natur geniessen kann», schreibt FDP-Präsident Sven Zollinger. «Da bei Eis und Schnee das Velofahren sowieso keinen Spass macht», so sein Fazit, «ist die Einschränkung verkraftbar.»

EDU: Vorstoss nicht zielführend

Die EDU Wetzikon schreibt, sie habe die Anfrage von velofreundliches-wetzikon an ihrer Vorstandsitzung eingehend diskutiert. «Wir finden die Verzögerung und die Kommunikation der Stadt ‹unglücklich›», so die Ortspartei. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten beurteilt sie «eine Lösung als schwierig und die Fristen bei einem politischen Vorstoss würden eine rasche Umsetzung verhindern.» Aus diesen Gründen erachtet die EDU «einen Vorstoss nicht als zielführend».

GLP: Eingeschränkte Umfahrung prüfen

Die GLP Wetzikon findet es «stossend, dass bei derartigen Bauvorhaben Velorouten eine so geringe Priorität geniessen». Das gelte sowohl für die unglückliche Kommunikation als auch für das Bauvorhaben. Die Partei hat sich vor Ort ein Bild gemacht und fragt sich, weshalb die Baustelle bei der Eishalle so viel Platz benötigt: «Mit etwas gutem Willen könnte zumindest eine eingeschränkte Umfahrung geprüft werden, um den fast fertiggestellten Veloweg zu nutzen.» Für die GLP ist klar: «Die offzielle Ersatzstrecke ist zu lang und der informelle Weg auf der andern Seite des Wildbachs bei Schnee nicht gut.» Insoweit schliesse man sich den Argumenten der Grünen an.


Jedoch wisse man nicht, wie man eine Lösung voranbringen könne: «Die Beantwortungsfristen für Vorstösse sind so lange, dass Antworten zu spät kommen.» Und wenn es Sicherheitsbedenken von Behörden gebe, könne man dagegen wenig unternehmen.


Wenn Antworten von weiteren Wetziker Ortsparteien eintreffen, wird dieser Artikel ergänzt. Zur Frage, wie man die Verzögerung bei der Sperrung des Velowegs beurteile (17 Monate statt der angekündigten 8 Monate) haben bislang nur die Grünen ausführlich Stellung bezogen. Hier die pointierte Antwort im Wortlaut.

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