Ein reger Diskussionspunkt beim Projekt, über das wir am 14. Juni abstimmen: Die Parkplätze für Velos und Autos beim Bahnhof Wetzikon.
Ein Bahnhof für die nächste Generation
Der Bahnhof Wetzikon steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Was heute vielerorts eng, unübersichtlich und wenig einladend wirkt, soll zu einer modernen Verkehrsdrehscheibe und einem lebendigen Stadtraum werden. Eine gut besuchte Informationsveranstaltung – mit Rundgang am Nachmittag und Podium am Abend – zeigte, wie der Masterplan das Bahnhofquartier aufwerten will.
Schon beim Rundgang mit Stadtrat Stefan Lenz (FDP) wurde deutlich: Die heutige Infrastruktur stammt aus dem Jahr 1985 – und ist den Anforderungen längst nicht mehr gewachsen. «Wir schauen jetzt auf die nächsten 40 Jahre», sagte Hochbau- und Planungsvorstand Lenz. Ausgearbeitet hatte die Stadt den Mastplan innert vier Jahren zusammen mit der SBB sowie den VZO und privaten Eigentümern. Im Wetziker Parlament hat sich eine eigens gegründete Spezialkommission in 23 Sitzungen damit beschäftigt.
An sechs Posten erläuterte Stefan Lenz die geplanten Eingriffe. Besonders im Fokus: der neue Bushof, der überdacht und behindertengerecht werden soll. Die Busse warten dann nicht mehr auf die Züge, sondern fahren gleich weiter, da künftig Züge und Busse enger getaktet unterwegs sind.
Die Kosten
Am 14. Juni entscheiden Wetzikons Stimmberechtigte über einen Verpflichtungskredit von 82 Millionen Franken. Wie bei einer Machbarkeitsstudie schwanken die effektiven Kosten um +/- 30%. Dabei bilden die 82 Millionen die obere Grenze. Und die Kosten verteilen sich auf zehn Jahre.
Wetzikon muss nicht für den gesamten Betrag aufkommen. Rund ein Drittel der Kosten übernehmen Bund, Kanton und private Partner. Auch Nachbargemeinden sollen das Projekt unterstützen, Gespräche sind im Gang.
Finanzvorsteherin Sandra Elliscasis (FDP) machte deutlich: Das Projekt sei zwar das grösste in der Geschichte Wetzikons, aber tragbar. «Man muss das Notwendige herausschälen. Und das haben wir.»
Für die Velos sind ebenfalls Verbesserungen vorgesehen mit zwei unterirdischen Velostationen und total 900 Parkplätzen. Heute sind es 300. Den wachsenden Pendlerströmen will man mit breiteren Unterführungen gerecht werden. Die zentrale Personenunterführung etwa wird ausgebaut, begradigt und somit sicherer.
SBB will Gebäude statt Parkplätze
Ein heikler Punkt bleibt die Parkplatzfrage. Die oberirdischen Autoparkplätze sollen von heute 165 auf 55 reduziert werden. «Sie brauchen am Bahnhof viel Fläche für wenig Menschen», argumentierte Lenz mit Blick die 30’000 täglichen Zugspassagiere.
Die Visualisierung des Bahnhofparks zeigt, was anstelle der heutigen Autoparkplätze möglich ist.
Auf dem knappen Raum will die SBB stattdessen Wohn- und Geschäftsgebäude erstellen und ein Park soll den Bahnhof beleben. In der Umgebung, etwa bei der Eishalle, wird sich die Stadt für weitere Autoparkplätze einsetzen. Angebote wie «Kiss and Ride» oder Taxi-Standplätze bleiben am Bahnhof erhalten.
Weitere Infos
Der dritte Anlauf
Am Abend füllte sich die Alte Turnhalle fast bis auf den letzten Platz. In einem Einführungsfilm und anschliessenden Präsentationen wurde klar: Der Masterplan ist ein Generationenprojekt. Maximal 82 Millionen Franken will man in den nächsten zehn Jahren investieren (siehe Kasten), verteilt auf 14 eng verknüpfte Teilprojekte. Politisch scheint der Rückhalt vorhanden: Das Parlament hat den Masterplan mit 23 zu 9 Stimmen klar gutgeheissen.
Stadtrat Stefan Lenz gab fundierte Einblicke ins Projekt.
Lenz betonte, dass die Planung breit abgestützt sei – politisch wie fachlich. Zwei frühere Anläufe für einen neuen Bushof waren gescheitert. Nun liegt ein Gesamtpaket vor, das Verkehr, Städtebau und Aufenthaltsqualität zusammen denkt.
Der heutige Masterplan geht zurück auf eine Motion, die Martin Wunderli (GP) 2019 lanciert hatte. «Ich hatte sie – damals als Parlamentarier – ebenfalls unterschrieben», schmunzelte Stadtrat Lenz.
Projekt ist in zehn Jahren erstellt
VZO-Direktor Joe Schmid unterstrich die Bedeutung eines leistungsfähigen Bushofs für kommende Generationen und SBB-Vertreterin Andrea Smith sprach von einer «effizienten und komfortablen Verkehrsdrehscheibe».
Die Alte Turnhalle war beim Podium voll besetzt.
Sollte die Stimmbevölkerung im Juni zustimmen, beginnt die Umsetzung schrittweise – mit Baubeginn ab 2032 und einer Realisierung bis etwa 2036. Bei einer Ablehnung droht hingegen ein Flickwerk aus Einzelprojekten.
Am Ende des Abends blieb vor allem ein Eindruck: Der Bahnhof Wetzikon ist heute für viele ein Durchgangsort – morgen könnte er ein Zentrum werden. Oder, wie es eine Podiumsteilnehmerin formulierte: «Heute ist der Bahnhof ein Unort. Das kann sich ändern.»