Ins Schattenreich zu den Mammutbäumen

Auf der Fahrt zum Botanischen Garten Grüningen lohnen sich kurze Halte am Isertweiher und bei einer Postkutsche. Und ein Blick auf Infotafeln, beispielsweise zur Drumlinlandschaft.

Los geht es wie immer beim Stadthaus Wetzikon. Die Komoot-App lässt mit 150 Höhenmetern eine gemütliche Fahrt erwarten – doch meine Beine sind am Ende anderer Ansicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Steigungen kurz, aber nahrhaft sind.

Die Herausforderung beim Planen der Strecke: Es führen nur wenig Velowege Richtung Grüningen und zurück. Zudem sind sie nicht immer attraktiv für 8- bis 80-Jährige. Wir biegen also gelegentlich auf ruhige Nebenwege ab, etwa im Grüt.

Eingangs Gossau lockt der erste kurze Abstecher. Von einem Holzsteg aus blickt man auf den von Pflanzen übewucherten Isertweiher. Bei meiner Probefahrt blühten die Seerosen.

isertweiher seerosen gossau zwischenhalt auf velofahrt zum botanischen garten
fahrverbot für kurze strecke wald gossau wegweiser

Das Allgemeine Fahrverbot für eine 200-Meter-Strecke durch den Wald respektiere ich – obwohl es nicht nachvollziehbar ist: Von der anderen Seite her darf man durchfahren. Die Belohnung für den kurzen Umweg: Unser Karma wird aufgewertet 😊

weitläufiger botanischer garten grüningen diverse bäume und sträucher

Gratiseintritt und Führungen

In dem parkähnlichen, sehr gepflegten und recht weitläufigen Garten (17’000 m2) gedeihen vor allem Bäume und Sträucher aus aller Weltdie berühmtesten sind wohl die Mammutbäume.

Die in- und ausländischen Pflanzen werden im Botanischen Garten Grüningen, der etwas aussserhalb des Städtchens liegt, in 16 Sektoren präsentiert: Heil- und Kräuterpflanzen sind ebenso vertreten wie Rosensträucher, Farne oder ein natürlicher Mischwald. Ein Teil des Parks ist bei einem Teich angelegt. Wer in die Welt subtropischer Pflanzen eintauchen möchte, findet diese in einem Schauhaus.

Der Garten wurde 1961 gegründet und ist seit 1988 eine Stiftung  der Zürcher Kantonalbank. Das Ziel ist es, «den Menschen die Schönheit und Vielfalt der Natur näher zu bringen und ihnen Erholung und etwas Besinnlichkeit zu schenken», heisst es in der Broschüre des Gartens.

mammutbaum botanischer garten grüningen hochformat

Der Mammutbaum gilt als der voluminöseste Baum der Erde.

Geöffnet ist der Botanische Garten Grüningen vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist gratis. Jeweils am ersten Sonntag im Monat finden ab 11 Uhr öffentliche Führungen statt. Für Schulklassen existieren fixfertige Angebote.

panoramablick auf städtchen grüningen mit kirche umd im vordergrund wiese, bäume, schweizerfahne

Den Panoramablick auf das Städtchen Grüningen kennt man von der Hauptstrasse her. Einen noch attraktiveren Vordergrund entdecken wir hier, mit dem Velo von einem Nebenweg aus.

Im Städtchen Grüningen folgt der zweite Abstecher, wir biegen zu einer historischen Postkutsche ab. Sie wäre recht fotogen, wären da nicht die spiegelnden Glasscheiben. Diese zweispännige Kutsche verkehrte auf der Postwagenlinie Wetzikon-Grüningen-Stäfa, die von 1856 bis 1903 in Betrieb war.

Gleich zwei positive Überraschungen bietet der Veloparkpatz direkt vor dem Eingang zum Botanischen Garten: viel Platz für viele Velos aller Grössen und Solarstrom aus vier Gratis-Ladestationen für E-Bikes.


Eine Broschüre, die am Eingang aufliegt, liefert einen Plan für den Rundgang und nützliche Informationen zur Pflanzenwelt. An heissen Tagen schätzt man in diesem Park die schattigen Plätze unter den Bäumen. Immer willkommen sind der Rastplatz mit offenen Feuerstellen sowie ein überdachter Pavillon mit Cheminée. Sie laden ein, mitgebrachtes Gemüse oder Würste zu grillieren, das Holz wird zur Verfügung gestellt.

restaurierte postkutsche wetzikon-grüningen-stäfa war 1856 bis 1903 in Betrieb
veloparkplatz botanischer garten grüningen velo mit anhänger im hintergrund gratis-ladestationen für e-bikes
feuerstelle botanischer garten grüningen holz zum benützen, sitzbänke und tische

Von oben nach unten: Postkutsche im Glashaus, Veloparkplatz mit vier Ladestationen für E-Bikes (im Hintergrund beim Veloständer) und ein Grillplatz im Botanischen Garten.

Es soll wieder ein Flachmoor entstehen

Vielleicht hat mich der Besuch für Naturthemen sensibilisiert: Auf der Rückfahrt fallen mir Anfang September 2025 gleich zwei Infotafeln (siehe Bilder unten) über Bodensanierungen auf. Zwischen Hanfgarten und Herschmettlen geht es um Fruchtfolgeflächen. Zusätzlicher Boden vergrössert den Abstand zum Grundwasser und verbessert so die Bedingungen für die Landwirtschaft.

Im «Langen Riemen» beim Ambitzgiried soll hingegen der Boden wieder dauerhaft feucht bleiben. Das werde Lebensraum für bedrohte Orchideen, Insekten und Tagfalter schaffen, schreibt die kantonale Fachstelle Naturschutz. Seit 25 Jahren hat man hier nicht mehr gedüngt, doch der Erfolg blieb gering. Jetzt greift man zu baulichen Massnahmen, um in dieser Drumlinlandschaft das frühere Flachmoor wieder herzustellen.

infotafel fruchtfolgeflächen nah rückfahrt von botanischer garten
infotafel drumlinlandschaft wetzikon hinwil rückfahrt von botanischer garten

Für die Fruchtfolgeflächen braucht es weniger Wasser, fürs künftige Flachmoor hingegen mehr.

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